Wer war Rose Ausländer?

Rose Ausländer gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Aber woher kam sie? Wo und wie lebte sie? Welche Verbindung gab es zwischen ihrer Dichtung und ihrem Leben?

Diese scheinbar einfachen Fragen stellt Lola Schlenker aus der Perspektive einer jungen Frau des 21. Jahrhunderts. Ihr Gesprächspartner ist Helmut Braun, der Rose Ausländer vor 50 Jahren als Verleger begleitete und mit der Dichterin eng verbunden war.

In fünf Folgen gehen wir den Stationen im Leben und Werk von Rose Ausländer nach – und stoßen dabei immer wieder auf Überraschungen.

GRÜNE MUTTER BUKOWINA

Die versunkene kulturelle Vielfalt der Bukowina klingt heute wie ein Märchen und mag Nostalgie wecken. Aber wer hätte gedacht, wie modern Rose Ausländer als junge Osteuropäerin dachte und lebte?

IM ASCHENREGEN

Auch Verfolgung und Exil während des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs kommen zur Sprache – und damit verbunden die Frage, wie Rose Ausländer als Mensch, als Tochter, Schwester, Ehefrau, aber auch als Dichterin überleben konnte.

MUTTERLAND WORT

Der Podcast ist auch geeignet für alle, die Prozessen der Transkulturation oder Viel- und Mehrsprachigkeit auf der Spur sind und nach Brücken zur Frage suchen, was Heimat ist und wo sie liegt, gerade im Kontext von Exil und Migration.

Folge 1: Jugend in Czernowitz

Rose Ausländer wurde 1901 in Czernowitz geboren, das damals zur österreichischen Doppelmonarchie gehörte – heute liegt die Stadt in der Ukraine. Lola fragt, was für ein Land die Bukowina damals war, welchen Bezug Rose Ausländer zu ihrer Familie hatte und wieso der Vater viel Wert auf ihre Ausbildung legte.

Klein-Jerusalem

Helmut stellt das ‚Klein-Jerusalem am Pruth‘ vor und beschreibt die chassidische Kultur mit ihren Schtetln und Wunderrabbinern.

Gehversuche

Helmut erklärt, wie es zur Flucht der Familie kam und beschreibt die ersten Gehversuche Rose Ausländers als Dichterin.

Gedichte

Die Stadt ist ein Berg (Gabriele Blum), Grüne Mutter Bukowina (Rose Ausländer), Im Chagall-Dorf (Alicia Fassel)

Folge 2: Aufbruch ins Leben

In der zweiten Folge fragt Lola, wie Rose Ausländer in der Zeit von 1914 bis 1938 den Weg in ein selbstbestimmtes Leben fand. Helmut schildert ihre berufliche Karriere an wechselnden Orten und die Verwurzelung in der Familie. Lola fragt nach den Motiven für Rose Ausländers Übersiedlung in die USA. Helmut schildert die Anfänge als Hilfsredakteurin in Wynona bis hin zur Eheschließung mit Itzak Ausländer in New York, der die spätere Scheidung folgte.

Freundschaften

Lola fragt nach dem Verhältnis Rose Ausländers zu Männern. Helmut schildert, wie die Dichterin offen für Neues blieb, dabei aber nie ihre Autonomie abgab. Er beschreibt lebenslange Freundschaften, die Rose Ausländer etwa zu Alfred Margul Sperber pflegte, zu Vera Haaken oder zur seelenverwandten Marie Louise Kaschnitz.

Philosophische Orientierung

Lola fragt nach Roses philosophischer Orientierung. Helmut beschreibt das Verhältnis zu Constantin Brunner, dessen spinozistische Ideen kontinuierlich in Rose Ausländers Denken und Dichten eingingen.

Gedichte

Keine Gedichte im Augenblick (Helmut Braun), Sprache (Rose Ausländer), Miteinander – für Marie Louise Kaschnitz (Rose Ausländer), Verbundenheit II (Rose Ausländer)

Folge 3: Abstieg in die Finsternis

In Czernowitz, das in der Zeit von 1933 bis 1946 teils unter rumänischer, teils unter russischer Herrschaft stand, drohten Juden Diskriminierung, Verfolgung und – mit Beginn der Shoah bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – die Vernichtung. Dennoch kehrte Rose Ausländer dorthin zurück. Lola fragt, warum sie das tat und wie sie die Ghetto-Zeit in Czernowitz überlebte.

I

Kampf ums Überleben

Helmut beschreibt Rose Ausländers Kampf ums physische und seelische Überleben, für den das Schreiben überlebenswichtig war. Lola fragt nach Roses Freundschaft zu Paul Celan: Wie gingen Dichter als Überlebende der Shoah mit dem Geschehenen um? Was hat es mit dem paradoxen Gefühl der Überlebensschuld auf sich? Helmut beschreibt, was es heißt, gezeichnet, aber nicht gebrochen zu sein.

Dichten nach Auschwitz

Helmut und Lola kreisen um das Verhältnis Rose Ausländers zu Familie, Philosophie, Judentum und Tradition. Lola fragt, ob es Rose Ausländer gelang, Adornos These zu widerlegen, nach Auschwitz seien keine Gedichte mehr möglich. Helmut erklärt, wie hoch der Preis dafür war.

Gedichte

Spinoza II (Helmut Braun, Lola Schlenker), Jerusalem (Alicia Fassel), Wir überstehen II (Rose Ausländer), Damit kein Licht uns liebe (Lola Schlenker), Blinder Sommer (Lola Schlenker), In memoriam Chane Rauchwerger (Lola Schlenker), Gedächtnis (Rose Ausländer), Verwundert (Rose Ausländer), Noch bist Du da (Rose Ausländer, Lola Schlenker, Helmut Braun)

Folge 4: Exil in englischer Sprache

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Rose Ausländer über mehr als ein Jahrzehnt (1946-63) in den USA. Lola fragt, wie sich die Umgebung auf Rose Ausländers Dichtung auswirkte.

Poetische Zweisprachigkeit

Helmut erläutert, wie die englische Sprache der Dichterin zur Rettung wurde. Lola fragt, was es heißt, dass Rose Ausländer Gedichte sowohl in englischer als auch in deutscher Fassung schrieb. Helmut beschreibt die poetische Zweisprachigkeit und entdeckt, dass Rose Ausländer chronologisch mehrsprachig war.

Gedichte

Astonished (Elisabeth Groh)/Verwundert (Lola Schlenker), The whitest (Elisabeth Groh)/Das Weißeste (Lola Schlenker, Helmut Braun), Verwundung (Rose Ausländer), The door (Elisabeth Groh)/Die Tür (Lola Schlenker, Helmut Braun)

Mentorin

Lola fragt, wie es zur Veröffentlichung der englischen Gedichte kam. Helmut geht auf den literarischen Kreis um Marianne Moore ein, in den Rose Ausländer aufgenommen wurde. Marianne Moore war es auch, die ihr als Förderin und Mentorin die Rückkehr zur Muttersprache empfahl. Lola fragt, wie sehr sich die Lyrik verändert hatte, als Rose Ausländer nach Europa zurückkehrte. Helmut antwortet mit dem Zitat: ‚Mein Vaterland ist tot. Sie haben es begraben im Feuer. Ich lebe in meinem Mutterland Wort.‘ und schildert, wie Rose Ausländer sich die Muttersprache zurückeroberte, sich dabei von Reimschemata löste und mehr und mehr zum freien Vers überging.

Folge 5: Mutterland Wort

Nach ihrer Rückkehr aus den USA 1963 lebte Rose Ausländer bis zu ihrem Tod im Jahr 1988 in Düsseldorf. Lola fragt, wie es dazu kam.

Steinbruch der Wörter

Helmut Braun antwortet diesmal nicht nur als Experte, sondern auch als Zeitzeuge. Im Dialog steigen beide Gesprächspartner in Roses Steinbruch der Wörter ein: Rose Ausländer wusste, wer sie war, wenn sie schrieb – aus Verzweiflung oder Glück.

Zeitzeuge Helmut Braun

Lola fragt, wie Helmut mit der Dichterin zusammentraf und welchen Menschen er ihn ihr sah. Helmut schildert seine Anfänge als junger Verleger, die Begegnung mit Rose Ausländer und seine Rolle bei der Abfassung ihrer späten Gedichte. Lola fragt, wie Rose Ausländer in Jahren ihrer selbstgewählten Bettlägrigkeit derart produktiv sein konnte. Helmut beschreibt, wie die Gedichte immer präziser und kürzer wurden, der Weg zu ihnen aber immer länger. Lola fragt, ob Rose Ausländer in Düsseldorf eine Heimat gefunden hat. Helmut erläutert die Rolle der Sprache und die Vorstellung der Welt als Kreislauf.

Gedichte

Mutter Sprache (Rose Ausländer, Lola Schlenker), Wege (Helmut Braun, Lola Schlenker), Wer bin ich (Lola Schlenker), Raum II (Lola Schlenker, Helmut Braun), Das Schönste (Helmut Braun), Ich denke (Rose Ausländer), Mein Atem (Helmut Braun, Lola Schlenker), Israel (Rose Ausländer), Wieder (Helmut Braun, Lola Schlenker)

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